{"id":19,"date":"2013-01-01T17:04:40","date_gmt":"2013-01-01T15:04:40","guid":{"rendered":"http:\/\/bls-senat.de\/zum-mythos-ludwig-ii-und-den-\u201cvon-bayern\u201d\/ein-konig-wird-beseitigt\/"},"modified":"2013-05-31T16:58:00","modified_gmt":"2013-05-31T14:58:00","slug":"ein-konig-wird-beseitigt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bls-senat.de\/?page_id=19","title":{"rendered":"Ein K\u00f6nig wird beseitigt"},"content":{"rendered":"<p>Wie verr\u00fcckt war Ludwig II. wirklich?<br \/>\n<a title=\"oben\" name=\"oben\">.<\/a><br \/>\nMuss ein brisantes Kapitel bayerischer Geschichte neu geschrieben werden? \u2013 Professor Heinz H\u00e4fner <a href=\"https:\/\/bls-senat.de\/zum-mythos-ludwig-ii-und-den-\u201cvon-bayern\u201d\/ein-konig-wird-beseitigt\/#buch\" title=\"Klick zur Erl\u00e4uterung\">*)<\/a>\u00a0 publiziert bei der Heidelberger Akademie der Wissenschaften<\/p>\n<p>Was die psychische Verfassung von Ludwig II. angeht, kommt Professor Heinz H\u00e4fner zu neuen Erkenntnissen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bls-senat.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/ludwig2_m_d12.jpg\" title=\"Ludwig-II-Anstecker\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/bls-senat.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/ludwig2_m_d12.thumbnail.jpg\" title=\"Ludwig-II-Anstecker\" alt=\"Ludwig-II-Anstecker\" align=\"left\" hspace=\"8\" vspace=\"4\" \/><\/a>Ludwig II. ist bis heute ein Mythos. So bizarr die Lebensverh\u00e4ltnisse des Bayernk\u00f6nigs waren, so ungew\u00f6hnlich gestalteten sich die Umst\u00e4nde seines Todes. Seine z\u00fcgellose Bauwut f\u00fchrte zu einer wachsenden Verschuldung der sogenannten Zivilliste, aus der Ludwig und der Hof ihren Unterhalt bestritten. Die Zahl seiner Gl\u00e4ubiger, vor allem von Handwerkern, die auf ihren Rechnungen sitzen blieben, wuchs st\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Doch heute sind seine neoromantisch inspirierten Schl\u00f6sser Weltkulturerbe, ein Magnet f\u00fcr Heerscharen an Touristen \u2013 und bescheren dem Freistaat mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit Einnahmen in Millionenh\u00f6he.<br \/>\nGalten seine homoerotischen Liebesverh\u00e4ltnisse, seine n\u00e4chtlichen Schlittenfahrten und seine Trinkgelage mit Reitersoldaten in k\u00fcnstlichen Felsgrotten der Epoche als anst\u00f6\u00dfig, so wird sein Andenken heute in manch bayerischem Wohnhaus mit einem Bildnis in \u00d6l verewigt.<\/p>\n<p>Doch wie verr\u00fcckt war Ludwig II. nun? War der K\u00f6nig wirklich wahnsinnig? War er ein krankhafter Egomane, litt er an Schizophrenie, gar an den Sp\u00e4tfolgen einer Syphilis? Oder war er nur ein unverstandener Unzeitgem\u00e4\u00dfer? Professor Heinz H\u00e4fner von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat den \u201eFall Ludwig&#8220; nun noch einmal aus psychiatrischer und historischer Sicht neu aufgerollt \u2013 und dies mit \u00fcberraschenden Ergebnissen. Zun\u00e4chst trug H\u00e4fner, Gr\u00fcnder und langj\u00e4hriger Direktor des Zentralinstituts f\u00fcr Seelische Gesundheit in Mannheim, aus ver\u00f6ffentlichten Quellen, Landtagsstenogrammen und Archiven Material zusammen. &#8222;Durch die freundliche Erlaubnis des Herzogs Franz von Bayern, mein Quellenstudium auf das \u201aGeheime Hausarchiv&#8216; der Familie auszudehnen, konnte ich auch bislang unver\u00f6ffentlichte Dokumente einsehen. Nun erscheinen viele Vorkommnisse in einem neuen Licht&#8220;, so H\u00e4fner.<\/p>\n<p>Ludwig II., von 1864 bis 1886 K\u00f6nig von Bayern und der Pfalz, wurde am 8. Juni 1886 in einem psychiatrischen Gutachten f\u00fcr unheilbar geisteskrank und dauerhaft regierungsunf\u00e4hig erkl\u00e4rt. In einer Staatsaktion sollte er in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni entm\u00fcndigt, festgesetzt und in geschlossene Unterbringung mit psychiatrischer Aufsicht gebracht werden. Nachdem diese Aktion scheiterte, weil der K\u00f6nig die Kommission verhaften und festsetzen lie\u00df, wurde ein zweiter, nunmehr erfolgreicher Versuch in der Nacht vom 11. auf 12. Juni unter Leitung des Psychiaters Professor Bernhard von Gudden unternommen. Einen Tag sp\u00e4ter suchte der Monarch im Starnberger See den Freitod, wobei er zuvor seinen Psychiater, der ihn daran hindern wollte sich zu ertr\u00e4nken, ebenfalls mit in den Tod nahm.<\/p>\n<p>Die Diagnose, die zur Zwangsinternierung und schlie\u00dflich zur Eskalation f\u00fchrte, lautete damals unheilbare \u201eParanoia&#8220; und Geistesschw\u00e4che. \u201eDiese Schlussfolgerung ist heute nicht mehr zu halten. Ohne Beobachtung und Untersuchung des K\u00f6nigs durch die Gutachter dienten allein die Berichte der Regierung und die vorher eingeforderten teilweise grotesken Aussagen der H\u00f6flinge als Beurteilungsgrundlage. Die Leistungen und F\u00e4higkeiten des K\u00f6nigs wurden nicht ber\u00fccksichtigt. Das Ergebnis des Gutachtens hatte Professor von Gudden schon vor der Beauftragung sowohl dem Vorsitzenden, wie dem Finanzminister, als auch seinen Assistenten mitgeteilt. Nach dem Tode des K\u00f6nigs \u00e4u\u00dferte einer der drei \u00fcberlebenden Gutachter Zweifel an der Diagnose, ein anderer an der Geistesschw\u00e4che des K\u00f6nigs&#8220;, so H\u00e4fner. H\u00e4fner belegt aus zweifelsfreien Quellen, dass bei Ludwig II. keine Zeichen von Geistesschw\u00e4che und einer paranoiden Psychose vorlagen.<\/p>\n<p>H\u00e4fner gelangt aus moderner Perspektive zu einer v\u00f6llig anderen Beurteilung der problembelasteten Biographie und einer anderen psychiatrischen Diagnose, welche auch die herausragenden F\u00e4higkeiten und Leistungen des K\u00f6nigs mitber\u00fccksichtigt. Um seinen inneren Konflikten zu entkommen, entwickelte der junge Bayer zunehmendes Suchtverhalten, wenn auch ein sehr ungew\u00f6hnliches! Er wurde \u201ebaus\u00fcchtig&#8220;. Er zeigt in evidenter Weise alle Merkmale einer &#8222;nicht substanzgebundenen Sucht&#8220;, wie sie auch f\u00fcr Gl\u00fcckspieler typisch sind. Sein Bezug zu Geld ging am Ende verloren, all sein Tun war schlie\u00dflich nur noch darauf ausgerichtet, neue Mittel zu beschaffen. \u00dcberdies plagten ihn seit seiner Jugend \u00c4ngste vor Menschen. Er litt unter einer Sozialphobie, die sich mit den Jahren unter dem Einfluss der Schuld- und Schamgef\u00fchle wegen seiner homoerotischen Neigungen deutlich verschlechterte. Dieses Leiden f\u00fchrte zunehmend zum R\u00fcckzug aus Gesellschaft und Politik.<\/p>\n<p>&#8222;Diese Erkenntnis ist gleicherma\u00dfen neu und unerwartet, l\u00e4sst sich aber an vielen Details gut belegen. Tats\u00e4chlich erstaunt mich das rege \u00f6ffentliche Interesse, das diesem Thema entgegengebracht wird&#8220;, so H\u00e4fner. H\u00e4fner wird seine Arbeit \u00fcber Ludwig II. nun in der Schriftenreihe der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Landesakademie Baden-W\u00fcrttembergs, ausf\u00fchrlich publizieren.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"https:\/\/bls-senat.de\/zum-mythos-ludwig-ii-und-den-\u201cvon-bayern\u201d\/ein-konig-wird-beseitigt\/#oben\" title=\"Klick nach oben\">Klick nach\u00a0 ^^^\u00a0 oben ^^^ <\/a><\/p>\n<p><a title=\"buch\" name=\"buch\"><\/a>*) Heinz H\u00e4fner (Professor f\u00fcr Psychiatrie an der Medizinische Fakult\u00e4t Mannheim der Universit\u00e4t Heidelberg, * 20. Mai 1926 in M\u00fcnchen; deutscher Psychiater. Gr\u00fcnder des Zentralinstituts f\u00fcr Seelische Gesundheit in Mannheim.)<br \/>\nEin K\u00f6nig wird beseitigt, Ludwig II. von Bayern.<br \/>\nC.H.Beck, 2008, 544 Seiten. ISBN 978-3-406-56888-6<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie verr\u00fcckt war Ludwig II. wirklich? . Muss ein brisantes Kapitel bayerischer Geschichte neu geschrieben werden? \u2013 Professor Heinz H\u00e4fner *)\u00a0 publiziert bei der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Was die psychische Verfassung von Ludwig II. angeht, kommt Professor Heinz H\u00e4fner zu neuen Erkenntnissen. Ludwig II. ist bis heute ein Mythos. So bizarr die Lebensverh\u00e4ltnisse des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":17,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-19","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/19","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/19\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76,"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/19\/revisions\/76"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/17"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bls-senat.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}